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Nachrichten von der kleinen Hausfrau...

Autor: Charlotte | Datum: 11 September 2011, 18:02 | Kommentare deaktiviert

Schon seit zwei Wochen bin ich nun in Tanzania-kaum zu glauben, wie die Zeit verfliegt! Bis jetzt hatte ich noch nicht die Gelegenheit wirklich ins Internet zu gehen, deswegen hat es bis zu meinem ersten Blog-Eintrag etwas gedauert. Aber wie wir ja wissen: Haraka, haraka, haina baraka (=Eile hat keinen Segen)... Und jetzt klappt alles- schön!:)

 Dann fange ich mal mit dem very beginning an!

Nach einem von Turbulenzen durchschüttelten Flug (na gut, zumindest MIR kam das so vor- den anderen glaube ich nicht) und nach zwei schönen Tagen in Daressalaam (das ich ab jetzt für immer mit unglaublichem STAU verbinde), ging es für adine und mich weiter ans schöne Westufer des Viktoriasees. Wir sind mit PRECISION AIRLINES geflogen von Dar nach Mwanza und von Mwanza in einer Propellermaschine nach Bukoba. Und sogar ich, die ich ja bekanntermaßen an akuter Flugangst leide, muss zugeben, dass sich uns über dem Viktoriasee ein beeindruckender Ausblick bot!

In Bukoba wurden wir nett begrüßt und ich bin noch einen Tag bei Nadine geblieben. Am nächsten Tag wurden wir beide (denn Nadine kam noch für einen Tag nach Ntoma mit)  von meiner Chefin abgeholt und über eine sehr ruckelige, rote "Straße" nach Ntoma gebracht, wo sich das Waisenhaus befindet, in dem ich arbeite.

Meine Chefin Eva spricht übrigens perfekt Deutsch, da sie von 1968-1972 ihre Schwesternausbildung in Deutschland gemacht hat. Sie ist total nett und kümmert sich um mich. Und wer hat schon mal eine ehrwürdige, 61-jährige Leiterin eines Waisenhauses gesehen, die im Auto lautstark zu " I shot the sherriff" mitsingt?

In Ntoma arbeite ich jetzt seit einer Woche. Ich beschreibe am Besten einfach mal meine Arbeit hier.

Im Waisenhaus gibt es 26 Kinder im Alter von zwei Monaten bis zwei Jahren. Die jüngsten Kinder (insgesamt vier) liegen in einem eigenen Gebäudeteil, der "Isolation", die Betten dick verpackt mit Moskitonetzen. Sie bekommen warme Milch und ein bisschen Brei. Die mittleren Kinder (von ca. 4 Monaten bis 9 Monaten) liegen alle in einem großen Schlafsaal mit vielen, kleinen Betten. Es gibt für sie zweimal am Tag "Fütterungszeiten" (ich nenne das jetzt einfach mal so), sie essen süßen Brei mit Bananen, Hirse, Mais, Eiern... Nach dem Essen werden die Kinder alle auf den "Pot" gesetzt (der heißt sogar auf Kiswahili so), das ist ein kleiner Stuhl mit einem Loch in der Mitte, unter dem ein Becher steht. Da hocken die kleinen Kinder dann für so zehn Minuten. Meistens mit viel Geschrei! Ich vermute, dass das die Kinder vielleicht schon mal auf die "Toilette" vorbereiten soll. Außerdem spart sich dadurch wenigstens einmal Windeln wechseln am Tag. Die mittleren Kinder haben hier so leichte Stoffwindeln, trotzdem ist die Hose irgendwann nass. Die Kinder werden dann in einen kleinen Nebenraum gelegt, wo es viel Spielzeug gibt. Eigentlich sind sie aber noch zu klein zum Spielen. Ab und zu, wenn die Kinder schreien, nehmen wir (meine Arbeitskolleginnen und ich) auf den Arm und trösten sie. Das wirkt Wunder! Einmal auf dem Arm ist das Weinen sofort vorbei. Nur tut es mit dann leid, wenn ich sie absetzen muss, denn dann fängt das Weinen meistens wieder von vorne an. Aber an muss diese Kleinen einfach lieb haben! Sie sind so süß! Wenn sie mit ihren Fingern meine Brille bepatschen, dann schmilzt mein Herz so dahin...:)

Dann gibt es noch die großen Kinder. Die können schon alle sitzen, die Älteste hat sogar gerade schon selbstständig laufen gelernt. Teilweise verstehen sie auch schon, was man sagt: "Njoo hapa" (=Komm her), "Basi!" (Schluss damit!) und "Mama" (ich glaube, das braucht keine Übersetzung...). Die großen Kinder tragen keine Windeln mehr, nur noch Hosen und das bedeutet, dass man ständig am Wechseln ist. Diese Kinder bekommen Reis zu essen, sie werden dann zur Essenszeit alle um einen großen Topf gesetzt und essen dann (einigermaßen) selbstständig. Hinterher gibts dann erstmal das Bad des Tages! Bei schönem Wetter sind diese Kinder auch draußen auf einer kleinen Spielfläche.

 Arbeit im Waisenhaus bedeutet vor allem auch viel, viel, viel Wäsche. Jeden zweiten Tag gibt es hier Kochwäsche und dann wird nur noch aufgehangen, abgehangen und umgehangen. Zur Zeit regnet es hier viel und dann wird die Wäsche nur schlecht trocken. Wir hatten einen kleinen "Hosennotstand" letzte Woche... So lerne ich die Sonne noch aus ganz anderen Gründen zu schätzen.

Ich arbeite von 8.Uhr morgens bis 11.30 Uhr morgens und habe dann drei Stunden Mittagspause, in der ich mir etwas zu essen koche. Dann arbeite ich wieder von 2.30 Uhr bis 5.30 Uhr. Am Wochenende habe ich frei. Da Kochen bisher eher nicht zu meinen Stärken zählte, hilft mir eine nette Arbeitskollegin- Anitha-  beim Kochen. Jeden Abend kommt sie vorbei und wir kochen und unterhalten uns- auf kiswahili, irgendwie, mit Händen und Füßen, denn (fast) alle meine Arbeitskolleginnen können kein Englisch. Gut, hoffentlich lerne ich die Sprache so schnell! Zur Zeit, habe ich eher das Gefühl nur Bahnhof zu verstehen, aber es kommt schon... Pole, pole, charlotte:)

Sonst habe ich das Gefühl, dass ich mich hier allmählich zu einer kleinen Hausfrau entwickele. Ich koche, putze, wasche, versorge kleine Kinder... Völig anders als alles, was ich bis jetzt so gemacht habe. Aber ich glaube, das tut mir auch mal ganz gut.

Gut, für heute reicht das wohl erst mal, um euch einen kleinen Eindruck zu geben. Beizeiten werde ich mehr berichten. Wie mir gerade auffällt, habe ich gerade schon alles geschrieben, was ich eigentlich in meinen ersten Rundbrief schreiben wollte. Nun ja, hoffen wir mal, dass in den nächten drei Monaten noch einiges spannendes passiert... Aber ich ganz zuversichtlich!:)

Ich würde mich über Kommentare und Rückmeldungen freuen! Feel free! Mjisikie huru!:)

o

 

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