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Autor: Charlotte | Datum: 14 Oktober 2011, 18:43 | Kommentare deaktiviert

Letzte Woche hat sich im Waisenhaus einiges getan. Das älteste Kind, Jackie, noch nicht ganz zwei Jahre alt, wurde von ihrem Vater abgeholt und beginnt jetzt sein "neues Leben" im Dorf. Es ist mir sehr schwer gefallen, mich zu verabschieden, denn dieses kleine Mädchen ist mir sehr ans Herz gewachsen. Zudem wird ihr "neues Leben" wohl alles andere als leicht werden. Der Vater hat bereits neun weitere Kinder und wenig bis fast gar kein Geld. In der ganzen Zeit hat er seine Tochter nur ein einziges Mal besucht (zur Information: Die meisten Väter besuchen ihre Kinder aber schon regelmäßig). Ein bisschen gerate ich ins Nachdenken: Warum kümmern wir uns so gut um die Kinder in den ersten Jahren, geben ihnen genug zu essen und vor allem viel Liebe und Zuneigung, wenn die kommenden Jahre so schwer werden? Aber verallgemeinern sollte ich nicht: Vielen Kindern geht es auch gut hinterher "im Dorf" wieder in ihren Familien. Auch sonst werden hier die Kindern so gut wie möglich vorbereitet auf ihr zukünftiges Leben im Dorf. Laut meiner Chefin wurden die Kinder früher alle einzeln mit dem Löffel gefüttert und konnten nicht selber essen. Wenn sie dann zurück in die Familien gingen, kam es öfter vor, dass Kinder starben, weil sie so unselbstständig waren. Niemand nahm sich die Zeit, sie zu füttern, oder sah die Notwendigkeit, da die Kinder im Dorf alle gemeinsam um einen Topf sitzen und selber essen! Also wurde im Waisenhaus eingeführt, dass ebenso gegessen wird. Dann ist diese Woche ein kleines Mädchen ins Waisenhaus gekommen, gerade zwei Wochen alt. Die Mutter ist bei der Geburt gestorben. Das ist für mich fast unvorstellbar. Natürlich habe ich schon vorher von der höheren "Müttersterblichkeit" in Afrika/Tanzania gelesen, aber das ist etwas ganz anderes, als das kleine Kind tatsächlich zu sehen, friedlich am Schlafen, dick eingepackt in Decken. Dieses kleine Kind wird seine Muttter nie sehen. Es tut mir so leid. Und ebenso die Mutter: Da freut sie sich vielleicht während der Schwangerschaft auf ihr kleines Kind, freut sich schon, es in ihren Armen zu halten und dann stirbt sie kurz nach der Geburt an zu hohem Blutverlust und Erschöpfung. Wer rechnet denn damit? Entschuldigt bitte, dass ich so auf die Tränendrüse drücke, aber das Schicksal dieser Mütter und dieser Kinder geht mir nahe. Bei den meisten Kindern ist die Mutter nach oder während der Geburt gestorben. Oft bei Hausgeburten, manchmal aber auch in Dispensaries und Krankenhäusern. Es gibt hier keine Aidswaisen im Ntoma Orphanage und das finde ich fast erschreckend. Denn das zeigt ja, wie oft es vorkommt, dass eine Mutter während der Geburt stirbt! Etwas, das in Deutschland so gut wie nie passiert. Einige Kinder sind allerdings auch ausgesetzt worden, Vater und Mutter sind unbekannt. Von einem Kind im Waisenhaus weiß ich, dass es drei Tage lang im Wald gelegen hat, bevor es gefunden wurde. Die Mutter wurde allerdings ermittelt und vor Gericht gestellt. Wie verzweifelt müssen Mütter sein, die ihre Kinder aussetzen? Ich habe Mitleid mit ihnen und mit ihren Kindern. Ja, so ist das hier im Waisenhaus, jedes Kind hat sein eigenes Schicksal. Natürlich sind das traurige Geschichten, aber das dominiert nicht das Waisenhaus. Im Gegenteil, es ist ein fröhlicher Ort, an dem viel geredet, gesungen und gelacht wird. Den Kindern geht es gut hier! (Und mir auch...). Ich hoffe, euch gehts auch gut?:)